Bockig sein

Bockig zu sein, stur und trotzig, ungehorsam und Unterordnung verweigern. Eine persönliche Situation hat mich dazu inspiriert, dieses Thema einmal aufzugreifen. Viele Artikel dazu bezeichnen dieses Verhalten als kindisch, irrational und unsinnig. Doch so mag ich das nicht stehen lassen.


Das Bockig Sein ist ein simpler einseitiger Schutzmechanismus, den wir tatsächlich schon im Kindesalter bestens beherrschen. Doch auch im Erwachsenenalter ist dies durchaus ein probates Mittel, die fehlende Einverständnis mit einer Situation kund zu tun. Vor allem, wenn die Aussicht auf eine gütliche Einigung im Konflikt nicht gut ist, bleibt es oft einer der wenigen Möglichkeiten mit Situationen umzugehen.

Die Chance zur gütlichen Einigung in Konflikten ist dabei ein entscheidendes Merkmal. Es kann sein, wenn wir uns in wichtigen Entscheidungen nicht genügend berücksichtigt fühlen und der Zugang zur Lösung dieses Konflikts sich schwierig gestaltet. Bei Konflikten ist der Ausweg aus der Situation eine Lösung desselben.

Dieses Verhalten wird aber auch durch Verletzungen ausgelöst. Hier ist die Situation durchaus schwieriger. Oft ist dem, der verletzt, gar nicht bewusst, dass er es tut. Es passiert sehr einfach ungewollt eine empfindliche Stelle beim anderen zu treffen. Oft wissen wir gar nicht von ihr.


Bockig sein - Kommunikation

Kommunikation beim Bockig Sein

Kommunikation im Regelfall

- auf eine Handlung folgt eine Reaktion
- bei fehlender Übereinstimmmung wird mittels weiterer Kommunikation zwischen den Standpunkten abgeglichen

Blockierte Kommunikation

- der Betroffene baut einsitig eine Mauer auf
- dies wehrt weiter Einflüsse ab
- es ist ein Zeichen des nicht einverstanden seins

Bockig sein - Situationen

Konflikte und Verletzungen

Verletzungen

- die Handlung eines Anderen trifft eine empfindliche Stelle
- die Verletzung löst oft eine Demütigung aus, Wut, evtl. verbunden mit Trauer
- die Verletzung kann absichtlich oder auch unabsichtlich erfolgen

Werte- und Zielkonflikte

- Die gegenseitigen Standpunkte stimmen nicht überein oder sind gar nicht im Detail bekannt
- Beim Betroffenen wird ein Gefühl von fehlender Rücksicht geweckt
- Ziele und Werte beider Parteien entsprechen einander nicht

Werte- und Zielkonflikte

Bockig Sein - Werte und Ziele

Der Standpunkt des Anderen

An dieser Stelle will ich gar keinen ausgewachsenen Artikel zum Konfliktmanagement schreiben. Allerdings ein kleiner Input:

Ein sehr mächtiges Mittel um Konflikte zu reduzieren ist die Einbeziehung des Standpunktes meines Gegenübers in meine Entscheidungen. Die Kunst liegt dabei, dem Anderen Berücksichtigung und Verständnis zu geben, ohne dabei meine eigenen Ziele aus den Augen zu verlieren. Dies ist keineswegs Manipulation oder Betrug. Es ist ein Abgleich.

Basierend auf diesem Abgleich kann der Weg zu meinem Ziel neu überdacht werden. Es kann sein, dass ich mir schonen einen überlegt hatte. Ist dieser nun nicht mehr passend, so kann ich mir einen anderen Weg zum Erreichen meines Ziels suchen.

Dies ist ein guter Ausweg aus einer Pattsituation. Alles was er von uns fordert, ist eine gewisse Flexibilität und Kreativität. Letztendlich ist der Weg ja auch nicht entscheidend, sondern das Ziel.


Verletzungen

Bockig sein - Verletzungen

Verarbeitungskette Verletzungen

(A) Gedanken / Bewertung

- ein Reiz erreicht tritt ein
- der Reiz wird bewertet, Gedanken und Gefühle entwickeln sich
- der Reiz wird evtl. als Kränkung / Verletzung gewertet
- die Bewertung ist der innere Schlüssel, ob wir getroffen werden
- gelingt es uns neutral oder positiv zu bewerten, sind wir weniger verletzlich

(B) Direktes Feedback

- ist unsere Aufmerksamkeit geschult genug, können wir das direkt in der Situation bearbeiten
- Es gibt aber auch Gründe, die das Verhindern: Der fehlende Zugang zum anderen oder vielleicht eine Situation unter Freunden oder Familie, in der wir den Moment nicht zerstören wollen (keine "Szene")

(C) Analyse

- gelingt die Bearbeitung in der Situation nicht, so kann man das in Ruhe zu einem passenden Zeitpunkt analysieren

(D) Initiative durch Auslöser

- dem Auslöser ist ja der Grund der Verletzung oft gar nicht bekannt
- mit etwas Gespür kann man aber die Kränkung durch die Bockigkeit des anderen erkennen
- Sätze könnten sein: "Ich habe Dich offenbar verletzt, kannst Du mir verzeihen?" oder "Magst Du mir sagen, was Dich verletzt hat? Dann kann ich das zukünftig vermeiden."

(E) Initiative durch Empfänger

- Der Empfänger hat es ungleich schwerer, es braucht Mut und eine passende Situation
- doch dauerhaft zu schlucken ist ungut
- Sätze könnten sein: "Das hat mich verletzt!" oder "Ich möchte das nicht!"

Eine kleine Geschichte

Nach einer anstrengenden Tagesreise mit dem Bus erreiche ich mit meiner Freundin die Stadt Arequipa. Es ist ihr Geburtstag, doch der Tag ist schon lang und war sehr anstrengend. Mit einem Taxi klappern wir mögliche Hotels ab. Eines macht einen guten Eindruck. Wir bleiben.

Schon während der Fahrt hatten wir immer wieder Diskussionen über diese Reise. Doch jetzt redet sie plötzlich gar nicht mehr mit mir. Mir ist nicht klar warum. Es gibt für mich keinen erkennbaren Grund. Meine Achtsamkeit war damals nicht geschult, ich wusste wenig über die Mechanismen der Gefühle.

Die nächsten Stunden sind kalt und mühsam zwischen uns. Doch nach einer Weile hatte Sie den Mut mit mir zu reden. Beim Aussteigen aus dem Taxi hatte ich aus Gewohnheit die Tür direkt hinter mir zusgeschlagen. Sie saß ebenfalls auf der Rücksitzbank und wollte zur gleichen Seite aussteigen. Ich habe ihr die Türe vor der Nase zugeschlagen - eine der größtmöglichen Demütigungen für eine Peruanerin.

Es war weder meine Absicht, noch war mir die Dimension dieser Handlung bekannt. Ich wollte es nicht, dennoch habe ich sie extrem gekränkt. Als wir schlussendlich darüber sprachen, konnte ich ihr das verständlich machen und sie hat mir verzeihen können. Wir waren versöhnt und hatten einen wunderbaren Abend.


Abschließende Gedanken

Gedanken und Bewertung

Für Menschen die sich häufig gekränkt fühlen, lohnt es sich hier einmal ein paar Gedanken zu verschwenden.

Menschen die sehr gelassen auf Situationen reagieren, in denen Du vielleicht wütend und traurig wirst, gelingt es einfach den gleichen Reiz neutral oder positiv zu bewerten.

Das mag an der Kenntnis des Mechanismus an sich liegen, dem geprägten Verhalten dazu oder auch an mehr Selbstvertrauen (SELBSTLIEBE!).

Entschuldigen und Verzeihen

Die gütlichste Lösung ist das Entschuldigen und Verzeihen. Dabei kommt die Entschuldigung durch den Auslöser und das Verzeihen durch den Empfänger der Verletzung.

Ist es möglich zu verzeihen, so kann ein Schlussstrich unter die Verletzung gezogen werden. Das Verzeihen kann dabei auch einseitig erfolgen. Das ist in Ordnung, allerdings erhält der Äuslöser kein Feedback zu seinem Verhalten und kann nicht für die Zukunft lernen.